Carl-Friedrich Flemming – Vorkämpfer einer humanen Psychiatrie

Von admin|27. September 2005|Schwerin|

Wer heute die weitläufigen Anlagen der HELIOS – Kliniken Schwerin am Sachsenberg betritt, wird sich vielleicht über die Großzügigkeit des Klinikgeländes wundern. Dies ist kein Zufall, sondern ist Programm und geht auf Dr. Carl Friedrich Flemmings Forderungen zurück, alles nur Denkbare zu vermeiden, was den Patienten einengen und einsperren würde und den Eindruck eines Gefängnisses aufkommen lässt.
Dr. Carl Friedrich Flemming war der erste medizinische Direktor der „Großherzoglichen Irrenanstalt
auf dem Sachsenberg“, welche 1830 auf Initiative des jungen Arztes und des gleichfalls
jungendlichen Architekten Georg Adolph Demmler der modernen Psychiatrie in Mecklenburg zum
Durchbruch verhalf und ein modernes Zuhause gab. Die Einweihung des rund 184 m langen Hauptgebäudes und der Nebenanlagen erfolgte nach kurzer Planungs- und Bauzeit von 6 Jahren bereits im Jahr 1830. Selbst 176 Jahre nach der Fertigstellung besticht die kluge Verbindung von Architekt ur und Zweckmäßigkeit sowie die ebenfalls großzügige Gestaltung der Gärten und des Parks. Weiterhin gehörten zur Grundausstattung ein Dampfbad, ein Billardzimmer, ein Lustgarten, ein Lese- und Musikzimmer, eine kleine Bibliothek, ein Betsaal, eine Bäckerei und eine Tischlerei.
Die Patienten wurden zu zweit oder zu dritt untergebracht, die Zimmer bestanden aus Wohn-
und Schlafräumen. Zwei große Schlafsäle waren für je zwölf Patienten eingerichtet. Damit war seinerzeit auf dem Sachsenberg eine der modernste n und großzügigsten Anstalten dieser
Art in Deutschland entstanden und Flemming, konsequent, meidet das Wort „Irren-” oder
„Idiotenanstalt“. Er nennt, was er leitet: „Krankenhaus“, er schuf Mecklenburgs erste große
Nervenklinik und publizierte und arbeitete zum Ruhme Mecklenburgs und seiner
Medizinaleinrichtungen. Mit der Fertigstellung des Baues wurden 53 Geisteskranke aus dem Festungsgefängnis Dömitz in die neue Anstalt überführt. Bisher waren die „Irren“, im Zucht-, Werk-
und Irrenhaus auf der Festung Dömitz untergebracht. Unter haarsträubenden Umständen wurden sie mit Schwerverbrechern, Deserteuren und Karrensträflingen zusammengesperrt und inhaftiert. Unter mittelalterlichen Haftbedingungen und ohne jegliche medizinische Betreuung hatten sie keine Chance, jemals wieder frei zu kommen.
Im Jahr 1832 sind bereits insgesamt einhundertvierundsechzig Geisteskranke aufgenommen und
behandelt worden. Sechsundzwanzig konnten als „genesen“ entlassen werden. Wo er kann, mildert er die Einteilung seiner Patienten in „Klassen“. 1830 gibt es 3 Verpflegungsklassen aber, wie sich ( für Flemming ) von selbst versteht, hat jede der drei Verpflegungsklassen gleiches Anrecht auf den ganzen Aufwand an Heilmitteln. Der Geheime Medizinalrat Dr. Carl Friedrich Flemming hat
1854, nach dreißig Jahren Dienst auf dem Sachsenberg, amtlicher Querelen wegen seine Anstellung quittiert.
Text: Peter Braun